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Fortgeschrittene Yogapraktiken
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Lektion 400 - Theorie und Praxis

Von: Yogani
Datum: 11.05.2010

Neue Besucher: Es wird empfohlen, das Archiv von Anfang an zu lesen, da die vorherigen Lektionen Voraussetzung für diese Lektion sind. Die erste Lektion lautet: "Warum diese Erörterung?"

F1: In den letzten sechs Monaten habe ich mich zu einer ziemlich umfassenden AYP-Routine hochgearbeitet. Das hat zu vielen Symptomen der Reinigung geführt. Ich habe z.B. Reinigung in meinen Augäpfeln erfahren, was dazu geführt hat, dass ich aus größerer Entfernung lesen kann (ich bin kurzsichtig).

Dann bekam ich ein Kribbeln am Boden meines Kehlkopfes, das sehr intensiv wurde. Und als ich neulich morgens meiner Arbeit nachging, war es plötzlich so, als hätte sich die Nervenverbindung zum vorderen Kanal geschlossen. Ich hatte ein Kribbeln tief in der Nase und dann ein starkes Soggefühl an meinem Damm, das in meinen Körper hinaufzog, und einen riesigen Stromfluss, der meine Wirbelsäule hinauf, bis zu meinem dritten Auge und dann an meiner Vorderseite hinunterlief. Es war so intensiv und angenehm, dass ich Angst bekam und mich gezwungen fühlte, die Übungen abzubrechen, bis ich verstanden hatte, was da vor sich ging.

Ich habe mich gefragt: (1) Was passiert da genau? (2) Wann sollte ich die Praxis wieder aufnehmen?

Wie sieht es mit der Theorie aus, die hinter all diesen Dingen steckt? Ich meine, ich verstehe den Ansatz "lerne, wie man das Auto fährt", aber ich persönlich würde gerne wissen, "was unter der Haube ist".

Ich würde zum Beispiel gerne diagnostizieren können, was gerade passiert und wie es mit den Praktiken zusammenhängt. Nach der Lektüre der AYP-Bücher (und ich habe sie alle gelesen) kann ich sagen: "Oh, ich fühle mich ein bisschen unwohl. Ich sollte Selbstabstimmung vornehmen." Das ist nicht wirklich eine Diagnose. Aber mit einem entsprechenden theoretischen Hintergrund könnte ich vielleicht ein besseres Verständnis dafür entwickeln, was vor sich geht.

In der buddhistischen Tradition gibt es "Landkarten des Fortschritts", in denen eine Reihe von Erfahrungen beschrieben werden, die der Meditierende machen kann und wie sie in das Gesamtschema der Praktiken passen.

A1: Es war ein energetisches Erwachen oder Kundalinischub. Du handelst richtig, wenn du die Übungen reduzierst. Aber es muss nicht alles oder nichts sein. Verringere einfach die Übungszeiten, bis du eine stabile und ausgewogene Routine gefunden hast, die dich energetisch nicht hin- und herwirft. Die Regulierung der Übungen, kombiniert mit einer guten Erdung durch tägliche Aktivitäten, ist auf unserem Weg unerlässlich. Weitere Informationen zum Umgang mit übermäßigen Kundalini-Symptomen findest du in Lektion 69

Theorien, Philosophien und Landkarten sind leicht zu erlangen. Jede Tradition hat sie, entwickelt aus bestimmten Blickwinkeln, basierend auf den Erfahrungen von jemandem. Nicht unbedingt deinen, die in mancher Hinsicht gleich und in anderer einzigartig sein werden. Aus diesem Grund versuchen wir bei AYP, Theorie und Karten auf ein Minimum zu beschränken, und bieten grundlegende Meilensteine an, die das Aufkommen der bleibenden inneren Stille und der energetischen Komponenten der spirituellen Entwicklung sowie deren Vereinigung in der Einheit anzeigen (siehe Lektion 35). Wie diese Komponenten entlang des Weges jedes einzelnen erfahren werden, kann unterschiedlich sein.

Die Erfahrungskarten lassen sich ziemlich einfach erstellen, sobald die Übungen im Gange sind und Symptome der Reinigung und Öffnung auftreten. Jeder Weise in der Geschichte, der andere gelehrt hat, hat seine eigene Karte angeboten. Theorien werden entweder bestätigt oder verworfen, basierend auf unserer direkten Erfahrung. Die ultimative Schrift liegt in uns.

Weniger einfach ist es, Praktiken so in einer Karte darzustellen, dass sie für viele Praktizierende nützlich ist. Das war ein Ziel bei AYP. Die Annahme ist, dass, wenn die Erfahrung durch effektive Praktiken vermittelt werden kann, die Theorien dann für sich selbst sprechen und je nach Muster der Reinigung und Öffnung, welches jeder von uns durchläuft, variieren werden. Es gibt jedoch ein allgemeines zugrunde liegendes Muster, das wir beschreiben können und das für jeden gilt und das die Besonderheiten individueller Erfahrungen berücksichtigen kann. AYP strebt dies an, anstatt eine präzise Erfahrungskarte zu erstellen. Es gibt nicht wirklich eine präzise Erfahrungskarte, die für alle passt. Meine detaillierte Karte und deine detaillierte Karte können unterschiedlich sein. Dies zu erkennen, ist der erste Schritt, um etwas auf der theoretischen/kartografischen Ebene bereitzustellen, das für eine Vielzahl von Praktizierenden nützlich sein wird.

Wenn es bei AYP etwas gibt, das theoretisch solide (und vielleicht ein bisschen revolutionär) ist, dann ist es die Tatsache, dass das menschliche Nervensystem als Zentrum aller spirituellen Entwicklung und Erfahrung gesehen wird. Alle Systeme, Philosophien, Theorien und Karten leiten sich von dieser einen Wahrheit ab. Absolut niemand wird ausgelassen, denn jeder Mensch hat ein Nervensystem. Die Systeme, Philosophien, Theorien und Karten können je nach Kultur, Religion und dem jeweiligen Entfaltungsprozess variieren, aber das menschliche Nervensystem bleibt immer im Mittelpunkt. Wenn man dies erkennt und sich zu Herzen nimmt, kann der oder die Praktizierende von einer Menge unnötigen Ballasts befreit werden, der in Form von, du hast es erraten, Systemen, Philosophien, Theorien und Karten aufgenommen werden kann!

Es ist ganz einfach. Jeder von uns ist die Landkarte, und wir müssen nicht weiter als bis zu uns selbst schauen, um die Antworten zu finden. Alles, was wir brauchen, sind wirksame Praktiken und solide Verfahren, um sie anzuwenden. Dann wird uns alles andere offenbart.

Ich weiß, dass dramatische Erfahrungen unser Vertrauen in die Praxis manchmal erschüttern können, wie du es erlebt hast. Die Wahrheit ist, dass all diese Erfahrungen Symptome der Reinigung und Öffnung sind. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie sie sich durch unser Nervensystem manifestieren können. Wie es für uns weitergeht, hängt immer davon ab, wie wir die Intensität der Reinigung und Öffnung regulieren. Das ist es, was die Qualität unserer Reise ausmacht. Bei AYP geht es immer darum, die Qualität unseres täglichen Lebens hier und jetzt zu verbessern. Daran richten wir unsere Praktiken aus, nicht an einer Karte oder an der Vorstellung eines anderen, wie unsere Erfahrung aussehen sollte.

Ist es besser zu erkennen, dass Selbstabstimmung und Erdung dazu dienen, die Intensität unserer Erfahrungen zu regulieren, oder ist es besser, diese zu kartieren? Sollten wir beides tun? Ich denke, es ist besser, den zugrunde liegenden Prozess der Reinigung und Öffnung im Allgemeinen zu verstehen, als zu versuchen, die genaue innere Dynamik einer bestimmten Erfahrung begreifen zu wollen. Das allgemeine Verständnis wird uns zu einer effektiven Selbstabstimmung und Erdung führen, wie es notwendig sein kann, während das Streben nach einem Verständnis der Einzelheiten einer bestimmten Erfahrung dazu führen kann, dass wir versuchen, aufkommende Symptome mit körperlich fokussierten Energietechniken usw., im Mikromanagement zu behandeln, was bekanntermaßen nicht annähernd so gut funktioniert wie die globaleren/ganzheitlicheren Techniken.

Die Gegenüberstellung von Theorie und Praxis ist also komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Es ist wichtig, die Theorie so anzugehen, dass sie eine solide Praxis fördert. Die Gefahr bei detaillierten Karten besteht darin, dass sie uns von einer soliden Praxis ablenken können. Je mehr wir uns mit den Einzelheiten befassen, desto weniger effektiv wird unsere Praxis sein. Wenn wir nicht aufpassen, kann es passieren, dass wir unsere systematische Hingabe in der Stille gegen eine Tasche voller Konzepte und Ablenkungen eintauschen.

Es scheint, als ob da gute Dinge geschehen, und das in relativ kurzer Zeit. Halte an der Selbstabstimmung der Übungen fest und gründe dich in täglichen Aktivitäten, wie es nötig ist, um beständigen Fortschritt im Laufe der Zeit sicherzustellen. Denke daran, dass Übungen nicht alles oder nichts sind. Die Übungszeiten können schrittweise angepasst werden, um unser Gleichgewicht zu finden. Das bedeutet, die Praxis vor die Theorie zu stellen, um die besten Ergebnisse zu erzielen.

F2: Würdest du in Betracht ziehen, ein Buch mit ausführlichen Beschreibungen der Erfahrungen auf dem Weg zur Erleuchtung zu schreiben? Hältst du das für sinnvoll? Und wenn nicht, warum nicht? Nachdem ich nun erklärt habe, was ich unter "Theorie" verstehe und warum ich gerne mehr davon hätte, könntest du mir Quellen für dieses theoretische Wissen nennen?

A2: Solange ein klares Verständnis für die praktische Umsetzung der Ursachen und Auswirkungen spiritueller Praktiken vorhanden ist, kann es sinnvoll sein, ein theoretisches Wissensgerüst über die spirituelle Transformation des Menschen aufzubauen, das mit der praktischen Umsetzung einhergeht. Aber das ist keine Aufgabe für eine oder zwei Personen. Nicht einmal annähernd. Es wäre so, als würde man die Gebrüder Wright bitten, die gesamte Luftfahrttheorie aus ihrer Perspektive Anfang des 20. Jahrhunderts zu dokumentieren, was eindeutig unmöglich ist. Aber sie haben bewiesen, dass Flugzeuge fliegen können, und das war mehr als genug, um sie auf Trab zu halten. Diese Arbeit hat die Revolution in der Luftfahrt eingeleitet. Ich hoffe, dass AYP dazu beitragen kann, dies für die angewandte spirituelle Wissenschaft zu erreichen. Wir zeigen, dass jeder, der die Sehnsucht verspürt, durch eine Reihe einfacher täglicher Übungen ein erfüllteres und glücklicheres Leben führen kann.

Eine sich weiterentwickelnde und fortwährende Wissenschaft mit einer soliden theoretischen Grundlage aufzubauen, ist eine Aufgabe für die weltweite wissenschaftliche Gemeinschaft. Dies wird in den Diskussionen in den AYP-Support-Foren angesprochen. Es wird bereits weltweit viel geforscht, allerdings muss der Fokus stärker auf die wesentlichen Prinzipien der spirituellen Transformation des Menschen gelegt werden. Das Ganze entwickelt und beschleunigt sich.

Niemand kann eine umfassende Theorie der Medizin, der Luftfahrt oder der Elektronik entwickeln. Immer wieder haben einige wenige die Grundprinzipien in der Praxis demonstriert, und dann wurden viele dazu inspiriert, darauf aufzubauen, sowohl theoretisch als auch praktisch. Und so geht es endlos weiter. Das ist der Weg der Wissenschaft. Wenn du also an angewandter spiritueller Wissenschaft interessiert bist, gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich zu engagieren, hoffentlich nicht auf Kosten deiner täglichen Praxis.

Denjenigen, die der wissenschaftlichen Gemeinschaft angehören, wird empfohlen, sich die Ursachen und Wirkungen, die mit soliden spirituellen Praktiken verbunden sind, genauer anzusehen. Niemand kann das alles alleine bewältigen. Es steckt in jedem von uns, und indem wir die Erfahrungen vieler Menschen im Laufe der Zeit auswerten, können wir die Theorie hinter den offensichtlichen Auswirkungen spiritueller Praktiken weiterentwickeln. Auf der theoretischen Seite wird es kontinuierlicher Bemühungen seitens der wissenschaftlichen Gemeinschaft erfordern, um sie voranzutreiben. Und auf der praktischen Seite liegt es an jedem von uns, unseren Weg der Reinigung und Öffnung mit vernünftiger täglicher Praxis weiterzugehen.

Während wir mit der Forschung fortfahren, sollten wir nicht vergessen, dass es die Praxis ist, die Ergebnisse bringt, nicht die Theorie. Egal wie gut das Flugzeug auf dem Reißbrett aussieht, wir werden nicht wissen, ob es fliegen wird, bis wir es bauen, einsteigen und abheben. Es ist die gleiche Beziehung zwischen Theorie und Praxis im spirituellen Bereich.

Der Guru ist in dir.

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