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Fortgeschrittene Yogapraktiken Haupt-Lektionen
Lektion 310 - Fasten - eine kraftvolle spirituelle Praxis
Von: Yogani Datum: 24.02.2009 Neue Besucher: Es wird empfohlen, das Archiv
von Anfang an zu lesen, da die vorherigen Lektionen Voraussetzung für diese
Lektion sind. Die erste Lektion lautet: "Warum diese
Erörterung?" Das Einschränken oder Ausschließen der Nahrungsaufnahme für eine
bestimmte Zeit, auch Fasten genannt, ist eine uralte Praxis, die in den
meisten spirituellen Traditionen der Welt zu finden ist. Heutzutage ist es
in den Religionen so ritualisiert, dass es kaum mehr als eine gelegentliche
zeremonielle Handlung ist. Doch im Fasten liegt ein wunderbarer Wert
verborgen, der in der heutigen Zeit wiederentdeckt wird, da immer mehr
Menschen versuchen, die zugrunde liegenden Wahrheiten ihrer Religion und die
Wirksamkeit spiritueller Methoden zu erkennen, die von ernsthaft
Praktizierenden seit Tausenden von Jahren angewandt werden. Das
Prinzip des Fastens ist einfach. Wenn der Körper die Möglichkeit hat, eine
Pause von der Nahrungsverarbeitung einzulegen, reinigt er sich selbst. Seine
Energieressourcen werden auf natürliche Weise von der Verdauung und
Assimilation abgezogen und voll und ganz der inneren Reinigung gewidmet. In
diesem Modus ist der Körper viel besser in der Lage, Krankheiten und
Blockaden in den Organen, im Gewebe und im Nervensystem zu überwinden,
einschließlich der subtilen neurobiologischen Blockaden in uns, die unsere
spirituelle Entfaltung am stärksten behindern. Vernünftiges Fasten ist also
sowohl eine wirksame Gesundheitstherapie als auch eine wichtige spirituelle
Praxis, alles in einem. Fasten ist ein Aspekt der Ernährung, denn
bei der Ernährung geht es nicht nur darum, was wir essen, sondern auch
darum, was wir nicht essen. Während es beim Fasten im engeren Sinne darum
geht, eine bestimmte Zeit lang nichts zu essen, lässt sich die Wirkung des
Fastens auch in der gesamten Bandbreite unserer Ernährungsgewohnheiten
beobachten. Mit anderen Worten: Die gesundheitlichen und spirituellen
Vorteile einer leichten und nährstoffreichen Ernährung sind zu einem großen
Teil auf den Fasteneffekt zurückzuführen, der ein innerer Zustand ist,
welcher den natürlichen Prozessen des Körpers eine bessere Möglichkeit
bietet, sich zu reinigen, zu läutern und zu öffnen. Während
Puristen alles, was über den Nullpunkt der Nahrungsaufnahme hinausgeht,
nicht als Fasten ansehen, interessieren wir uns mehr für die praktischen
Ergebnisse, die durch eine mehr oder weniger starke Einschränkung der
Nahrungsaufnahme zu verschiedenen Zeiten erzielt werden können. Damit sind
wir wieder bei unserer eigentlichen Erörterung der Ernährung angelangt, bei
der es darum geht, was wir jeden Tag mit dem Essen machen, ob wir nun
komplett fasten oder einfach leichtere, nahrhaftere Essgewohnheiten
favorisieren. Beides wird die Wirkung des Fastens in unterschiedlichem Maße
verstärken. Das Ziel bei AYP ist es, alle bekannten Prinzipien
der menschlichen spirituellen Transformation durch die Integration und
Optimierung effektiver Praktiken effektiv zu nutzen. Das wird uns
zwangsläufig von extremistischen Einstellungen zu einer bestimmten
spirituellen Methode abhalten. Ähnlich wie bei der Diät kann auch die
Einstellung zum Fasten, die wir in der Welt sehen, zu einer extremen
Wundermittel-Mentalität und Übermut tendieren, wobei der Fokus auf einen
ausgewogenen Ansatz verloren geht. Die extremen Ansätze, auf die wir beim
Erforschen von Wissensquellen über das Fasten stoßen, machen die
Nützlichkeit der zugrundeliegenden Prinzipien selbst nicht zunichte. Wir
müssen nur einen vernünftigen, moderaten Ansatz finden.
Diejenigen, die extreme Ansätze verfolgen, können den wahren Wert der
Methode, für die sie fanatisch werben, verfälschen. Lassen wir uns nicht von
extremen Standpunkten beeinflussen und wählen wir den Mittelweg, der solide
Prinzipien der spirituellen Transformation nutzt, die zu einem stetigen und
sicheren Fortschritt führen. Wir begannen mit soliden
spirituellen Praktiken wie Tiefenmeditation und Spinalatmung Pranayama. Dann
diskutierten wir über die natürliche Entstehung gesunder und spirituell
evolutionärer Essgewohnheiten. Wir treffen diese Entscheidungen in dem Maße,
wie sich unser Bewusstsein von innen heraus erweitert und unsere
Neurobiologie ganz natürlich nach einer höheren Funktionsweise strebt.
Genauso verhält es sich mit dem Fasten. Wir haben uns bereits in diese
Richtung bewegt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Fasten
anzugehen. Das hängt von unseren persönlichen Vorlieben ab, aber auch von
unserer Stoffwechselgesundheit wenn wir damit beginnen. Der
einfachste Weg, den Fasteneffekt in unseren Tagesablauf zu integrieren, ist,
mehrere Tage hintereinander eine Mahlzeit auszulassen. Ob wir dazu in der
Lage sind, hängt vor allem von unserem Wohlbefinden ab. Für einige wird es
sehr unangenehm und schwierig sein. Für andere ist es ziemlich einfach. Es
ist ein guter Anfang, um mit unserem eigenen Experiment des Fastens zu
beginnen. Eine Mahlzeit auszulassen bedeutet nicht, bei der nächsten
Mahlzeit doppelt so viel zu essen. Es bedeutet, die gesamte Nahrungsaufnahme
für einen Tag - im Umfang einer Mahlzeit zu - reduzieren, oder auch für
mehrere Tage, wenn wir es als angenehm empfinden. Wer an einer
Krankheit wie Hypoglykämie oder Diabetes leidet, bei der eine Einschränkung
der Nahrungsaufnahme schädlich sein könnte, sollte einen Arzt konsultieren,
bevor er/sie eine Fastenkur macht. Der Vorteil des Ansatzes, eine
Mahlzeit auszulassen, ist, dass es für fast jeden jederzeit einfach zu
realisieren ist, um den Fasteneffekt zu erfahren. Der Nachteil dieser
Methode ist, dass wir möglicherweise Unbehagen verspüren, das sich als
Hunger äußert. Bei einer Fastenkur, bei der mehrere Tage oder länger nichts
gegessen wird, stellt sich heraus, dass das Unbehagen, das wir als "Hunger"
bezeichnen, in der Regel gar kein Hunger ist, weil es mit fortschreitendem
Fasten vergeht. Dann wissen wir, dass es sich um biologische
Entzugserscheinungen handelt, die mit einer gewohnheitsmäßigen Abhängigkeit
von der Nahrungsaufnahme einhergehen. Niemand verhungert nach ein paar Tagen
oder gar Wochen ohne Essen. Aber viele haben sich aufgrund der
Entzugserscheinungen, die mit der fehlenden Nahrungsaufnahme verbunden sind,
schon nach wenigen Stunden so gefühlt, als ob sie verhungern würden.
Interessanterweise fühlen sich diejenigen, die lange fasten, nicht hungrig,
sobald die erste Anpassung erfolgt ist. Diejenigen, die bereits Erfahrung
mit mehrtägigem oder längerem Fasten haben, verspüren das Unbehagen erst
viel später, wenn sie wieder echten Hunger empfinden. Dieser Hunger in der
späteren Phase ist ein Signal dafür, dass das Fasten auf natürliche Weise
beendet werden kann. Flüssigkeiten sind eine andere Sache. Keine
Fastenkur sollte ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr durchgeführt werden.
Unser Körper braucht täglich Wasser, um weiter zu funktionieren, egal ob wir
fasten oder nicht. Bei einer strengen Fastenkur ist nur Wasser notwendig, um
sie durchzuführen. Es gibt auch das beliebte Saftfasten, bei dem Nährstoffe
zugeführt werden, insbesondere Zucker, der eine Energiequelle ist. Für
diejenigen, die dazu neigen, sich während des Fastens ständig unwohl zu
fühlen, ist das Saftfasten vielleicht die bessere Wahl. Jeder von
uns wird sein eigenes Gleichgewicht finden. Für viele von uns kann der
schrittweise Übergang zu einer leichten und nahrhaften Ernährung mehr als
genug sein. Auch dies beinhaltet den Fasteneffekt, der den Körper bei der
Verarbeitung von Nahrungsmitteln entlastet, so dass unsere Energien unsere
inneren Prozesse der Reinigung und Öffnung besser unterstützen können, und
auch die Produktion verfeinerter Substanzen im Verdauungssystem und
anderswo, die in direktem Zusammenhang mit unserer wachsenden Erleuchtung
stehen. Das bringt uns wieder auf das Thema Kundalini, also den
Anstieg der ekstatischen Leitfähigkeit und Ausstrahlung in unserem Körper,
der durch die damit verbundenen Verfeinerungen der Verdauung befördert wird. Wenn wir uns auf eine erwachende Kundalini einstellen, sollten wir
eine angemessene Ernährung einhalten, die manchmal zu einer schwereren Kost
und häufigerem Essen tendiert, um das Feuer im Magen-Darm-Trakt zu dämpfen.
In dieser Phase unserer inneren Entwicklung ist Fasten nicht ratsam, da es
den Reinigungsprozess beschleunigen und unsere Kundalini-Symptome
verschlimmern kann. Fasten ist am nützlichsten, bevor wir unsere
inneren Energien erweckt haben, und später, wenn sich unsere höhere
Neurobiologie stabilisiert hat. In der Zeit dazwischen, in der die
Kundalini-Energie erwacht und sich anpasst, sollten wir unsere
Essgewohnheiten anpassen, um dies zu unterstützen. Alles hat seine Zeit, und
alles zu seiner Zeit. Im Krankheitsfall kann das Fasten mit
Amaroli (Urintherapie) kombiniert werden, um die kraftvolle, kombinierte
natürliche Heilwirkung dieser beiden Praktiken zu nutzen. Dies wird in den
nächsten Lektionen näher erläutert. Das Fasten kann auch mit
Sonnenblicken und Atemtechniken kombiniert werden, die angeblich das Leben
aus Sonnenlicht und Luft ohne Nahrungsaufnahme ermöglichen. Ob das stimmt
oder nicht, muss die moderne Wissenschaft noch untersuchen. Wenn solche
Fähigkeiten in uns vorhanden sind, können wir als Ergebnis einer
langfristigen Yogapraktik Anzeichen für ihre Manifestation finden. Sich auf
solche Phänomene zu konzentrieren und dabei Tiefenmeditation, Spinalatmung,
Pranayama und andere Yogapraktiken außer Acht zu lassen, wäre wohl verfrüht.
Achten wir darauf, dass wir uns nicht zu sehr in Fantasien verstricken. Der Vorteil einer selbstgesteuerten und selbstabgestimmten
spirituellen Praxis ist, dass wir unsere Praktiken nach Bedarf anpassen
können, um unsere innere Entfaltung zu fördern. Das gilt für die
langfristige Entwicklung unserer Ernährung und für den vernünftigen Einsatz
des Fastens je nach unseren Vorlieben und Bedürfnissen. Der Guru
ist in dir.
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