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Fortgeschrittene Yogapraktiken Haupt-Lektionen
Lektion 122 - Zeuge sein Von: Yogani Datum: Freitag
20.02.2004 - 11:10 Uhr Neue Besucher: Es wird empfohlen, das
Archiv von Anfang an zu lesen, da die vorherigen Lektionen Voraussetzung für
diese Lektion sind. Die erste Lektion lautet: "Warum diese Erörterung?" F: Ich mache schon seit langem einen Prozess durch, bei dem ich mich
nicht mehr mit meinem Körper identifiziere. Ich identifiziere mich nicht mit
den Emotionen oder Gefühlen. Manchmal bin ich mir bewusst, dass ein Gefühl
aufkommen will, aber ich weiß einfach nicht, was ich damit anfangen soll,
also ignoriere ich es und es verschwindet. Meine Großmutter ist vor 2 Wochen
gestorben und es hat mich überhaupt nicht gestört. Ich war wohl der einzige
bei der Beerdigung, der die meiste Zeit lächelte oder versuchte, nicht zu
lächeln. Meine Katze, die alles für mich ist, mein bester Freund, mein
Begleiter, meine Liebe... Ich glaube, sie wird sterben oder stirbt langsam
und das stört mich nicht. Ich bin besorgt und ein bisschen beunruhigt, aber
es stört mich nicht. Es verändert die Dinge äußerlich, aber nicht innerlich.
Ich kann die Treppe hinunterfallen und einfach lachen, ohne dass es mich
stört. Ich könnte von der Arbeit gefeuert werden, ohne dass es mir etwas
ausmacht. Ich hänge einfach nicht an irgendetwas. In letzter Zeit habe ich
das Gefühl, dass ich die Identität mit meinem Namen verloren habe. Es tut
mir fast weh, eine E-Mail oder einen Text mit meinem Namen zu
unterschreiben. Ist das normal und ein Teil von Pratyahara? Gibt es dafür
Stufen, damit ich auf das, was als Nächstes kommt, vorbereitet bin? A: Vielen Dank, für deine Zeilen und den Austausch. Die
Antwort hängt davon ab, wie dein Zustand wirklich ist, und das hat damit zu
tun, wie du dorthin gekommen bist. Wenn du meditiert hast und dieses Gefühl
der Losgelöstheit im stillen Zeugen hast, ist das eine Sache. Wenn du dich
aufgrund eines Traumas in der Vergangenheit durch einen psychologischen
Abwehrmechanismus von deinem Leben und der Welt getrennt hast, ist das etwas
anderes. Ersteres ist auf die Reinigung des Nervensystems zurückzuführen.
Letzteres ist ein Eingrenzen des Bewusstseins, um unterbewusste Blockaden zu
vermeiden, die mit viel Schmerz verbunden sind. Das eine ist ein
Sich-Öffnen. Das andere ist eine Art von Abschottung. Sie können ähnlich
erscheinen, sind es aber nicht. Unter bestimmten Umständen ist es sogar
möglich, dass etwas von beidem gleichzeitig geschieht. Wenn es
die Reinigung des Nervensystems ist, die das Auftauchen der inneren Stille
bewirkt, dann geht es darum, sich in spirituellen Praktiken und im Leben zu
engagieren. Letztlich geht es bei unserer Erleuchtung nicht um uns selbst.
Es geht um alle anderen. Die erste Stufe der Erleuchtung ist das Entstehen
einer andauernden inneren Stille - eine vorübergehende Trennung. In der
zweiten und dritten Stufe geht es darum, sich mit dem Göttlichen zu
verbinden, das dynamisch in uns selbst und in anderen aufsteigt (hier kommen
Ekstase und Pratyahara ins Spiel, nicht viel früher). Über die erste Stufe
(innere Stille/Zeugnis) hinauszugehen, ist kein träger Nichtstun-Prozess. Es
geht darum, Hingabe zu entwickeln und unser reines
Glückseligkeitsbewusstsein in die weiteren Prozesse der Erleuchtung
einzubinden, zu denen auch Praktiken und das Engagement in der Welt gehören.
Es ist eine natürliche Entwicklung, die zum Teil darin besteht, dass wir uns
entscheiden, daran teilzunehmen. Vorschlag: Wenn Emotionen
aufkommen, anstatt sie zu ignorieren, denke an den Prozess der Bhakti, wie
er in Lektion #67 "Bhakti - Die Wissenschaft der Hingabe" und den
nachfolgenden Lektionen beschrieben wird, die sich mit den Feinheiten von
Zeuge sein und Bhakti befassen, insbesondere #109 "Bhakti, Meditation und
innere Stille". Sie geben dir vielleicht einige Tipps, wie du deinen Zustand
des Zeugens besser nutzen kannst, um die nächsten Schritte zu gehen. Die
Beziehung zwischen Zeuge sein und Emotionen ist eine Schlüsseldynamik in
diesem Prozess. Das reine Glückseligkeitsbewusstsein, der stille Zeuge, wird
von der phänomenalen Welt nicht berührt, aber es ist auch nicht
gleichgültig. Ganz im Gegenteil. Die innere Stille ist eine unendliche
Quelle der Liebe und des Mitgefühls und bringt uns ganz natürlich dazu, uns
auf die ekstatischen Prozesse im Körper einzulassen und anderen liebevoll zu
dienen. Im Zustand des Zeugens können wir sogar wütend werden und weinen -
das Nervensystem reinigt sich dann weiter. Auch wenn der stille Zeuge der
ultimative unbewegte Zuschauer ist, ist das Spiel der Erleuchtung kein
Zuschauersport. Das ist eines der Paradoxien des spirituellen Lebens.
Solange das reine Glückseligkeitsbewusstsein nicht in jedem Atom der
Existenz vollständig präsent ist und sich kontinuierlich mit den
ekstatischen Prozessen der Schöpfung (dem göttlichen inneren Liebesakt)
verbindet, kann es keine Vollendung der Erleuchtung geben. Wenn wir höhere
Stufen der Erleuchtung erreichen wollen, müssen wir aktiv daran teilnehmen. Deshalb wäre mein Vorschlag, zu schauen, ob du in dir eine Sehnsucht
findest, über deinen jetzigen Zustand hinauszuwachsen. Jede Sehnsucht reicht
aus, denn du kannst im Zustand des Zeugen, Emotionen leichtgängig in Bhakti
umwandeln, wenn du es willst. Wenn du das kannst, kultiviere es. Dann wird
es dir leicht fallen, etwas zu tun - eine tägliche Übung, einen Dienst,
etwas für jemand anderen. Wenn es dir schwer fällt, dich zu "engagieren",
dann ist die Situation vielleicht psychologisch komplizierter als ein
natürlicher Reinigungsprozess, der im Nervensystem aufkommt und durch
spirituelle Praktiken angeregt wird. Manchmal kann es auch sein, dass wir in
der Phase des Zeugen (oder in jeder anderen Phase) etwas zart besaitet sind
und eine Weile abwarten müssen - eine Art Heilung in einen neuen
Seinszustand. Sobald wir uns dort wohlfühlen, wo wir sind, werden wir auch
mehr daran interessiert sein, zum nächsten Schritt überzugehen.
Was auch immer die Ursache für dein Zeugensein ist, es kann nicht schaden,
täglich Übungen zu machen - vor allem Meditation und Pranayama. Früher oder
später werden sie dich auf natürliche Weise zum nächsten Schritt bringen. Ich wünsche dir viel Erfolg auf dem Weg, den du eingeschlagen hast. Der Guru ist in dir.
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